Seit fast 20 Jahren organisiert und finanziert BUWETU in Luebo die ANAMED-Seminare, in denen die Herstellung von Medizin auf der Basis von Heilkräutern gelehrt wird. Ziel ist die Unabhängigkeit der Afrikaner von teuren Medikamenten aus der “1. Welt”.

Medizinabfüllung

Medizinabfüllung

Neben der Unterstützung von Krankenhäusern und Krankenstationen veranstaltet BUWETU in Zusammenarbeit mit „ANAMED“ (Aktion Natürliche Medizin) Seminare über “Traditionelle Medizin in den Tropen”. Diese durch den Einfluß der europäischen Medizin fast verlorengegangene Kunst wurde vom deutschen Apotheker Dr. Hans-Martin Hirt zusammen mit kongolesischen Kollegen wieder belebt und gelehrt. Ganz besonders in Krisenzeiten ist die Herstellung dieser Medizin für die Menschen dort lebensnotwendig.

Desolates Gesundheitswesen

Die Situation vieler Entwicklungsländer im Gesundheitswesen ist nicht anders als desolat zu bezeichnen. Viele Klinikapotheken besitzen oftmals nicht einmal die notwendigsten Arzneimittel.
Können traditionelle Behandlungsmethoden einen Ausweg anbieten? Sie wurden durch koloniale Zwangsmaßnahmen verdrängt. Bereits das behandeln eines Abszesses war – z.B. in manchen Ländern Afrikas – ein Grund, einen Heiler mit Gefängnis zu bestrafen. Damit konnte sich das traditionelle Wissen nicht fortentwickeln, wurde vergessen oder – nicht selten – einigen Scharlatanen überlassen.
„Moderne“, also importierte Medizin jedoch ist inzwischen für den Großteil der Bevölkerung unerreichbar. Damit befinden sich weite Teile Afrikas in einer medizinischen „Versorgungsfalle“. Denn eine Übertragung unseres hoch entwickelten, technisierten Gesundheitssystems auf die Länder der „Dritten Welt“ ist schon aus finanziellen Gründen nicht möglich: das Gesundheitsbudget pro Person müsste von US-Dollar 11,– (Entwicklungsländer) auf US-Dollar 320,– (Industrieländer) pro Jahr angehoben werden. Auf der anderen Seite ist es jedoch unverständlich, warum tropische Länder nicht ihre eigenen Heilpflanzen besser nutzen sollten.

Aktion Natürliche Medizin als Ausweg

Aus dieser Fragestellung heraus gründeten traditionelle Hebammen, Heiler, der Lehrer Bindanda M’Pia und der „importierte“ Apotheker Dr. Hans-Martin Hirt die „Aktion Natürliche Medizin“ (ANAMED), 1985 in dem kleinen Dorf Matamba-Solo im Kongo. Was jedoch nur als regionale Bewegung gedacht war, fand Interesse in vielen weiteren Ländern!

ANAMED versteht heute unter „Natürlicher Medizin“ einen Prozess in drei Schritten:

  • das Forschen nach Rezepten der „Traditionellen Medizin“, die z.T. seit Tausenden von Jahren bekannt sind;
  • das Forschen nach Rezepten und Erkenntnissen der „Modernen Medizin“ (in Entwicklungsländern auch „westliche“ oder „industrielle“ Medizin genannt);
  • das Entwickeln von Empfehlungen hieraus, um es der Bevölkerung zu ermöglichen, möglichst viele Heilpflanzen selbst zu ziehen und zu verwenden und dabei Nebenwirkungen so weit wie möglich zu vermeiden.

Die dabei gesammelten Erfahrungen sollen dazu beitragen:

  • dass auch ohne große finanzielle Mittel Hospitäler eine größtmögliche Anzahl von mittellosen Patienten behandeln können,
  • dass die Therapie mit Heilpflanzen nicht mehr länger als „pure Magie“ oder „Wissenschaft der Scharlatane“ betrachtet wird,
  • dass Ärzte und Heiler den Dialog beginnen und unvoreingenommen Therapiekonzepte miteinander diskutieren,
  • dass der Schutz des Urwalds nicht mehr als ein „Interesse der Weißen“ verstanden wird, sondern als eine Möglichkeit, eigene Heilpflanzen für sich und nachfolgende Generationen zu bewahren,
  • dass Präventivmedizin als effizienter erkannt wird als bloße Kurativmedizin mit importierten Medikamenten.

BUWETU fördert ANAMED seit fast 20 Jahren

BUWETU organisiert und finanziert seit fast 20 Jahren in der Diözese Luebo ANAMED-Seminare. Dass diese Seminare mit großer Begeisterung angenommen werden, kann man daraus ersehen, dass viele Teilnehmer von weit her zu Fuß kommen, um daran teilzunehmen. Die ausgebildeten Personen sollen dann als Multiplikatoren ihr Wissen weiter geben an Interessierte in ihren Gemeinden.
Zum einen werden Arbeitsplätze geschaffen und zum anderen haben die Menschen die Möglichkeit, Medizin, Seife und Salben selbst herzustellen und Krankenstationen und Apotheken damit zu versorgen. Neben der Medizin wird auch die Herstellung von Solaröfen und -kisten gelehrt.

Seifenproduktion

Seifenproduktion